Dienstag, 8. November 2016

Diese Ansprache wurde von roten und grünen Abgeordneten mit lauten Buh-Rufen bedacht...

Ansprache des Alterspräsidenten Dr. Lothar Mundt (AfD) in der konstituierenden Sitzung der BVV Tempelhof-Schöneberg am 27. Oktober 2016
Verehrte Damen und Herren Bezirksverordnete, liebe Gäste.

Der römische Lustspieldichter Terenz läßt in seiner Komödie ‚Das Mädchen von Andros‘ eine seiner handelnden Personen sagen: „namque hoc tempore obsequium amicos, veritas odium parit“ – „Denn heutzutage schafft Anpassung Freunde, Wahrheit gebiert Haß“. Die überzeitliche Stichhaltigkeit dieses alten, zum geflügelten Wort gewordenen Spruches, ‚Veritas odium parit‘, daß nämlich das Aussprechen von Wahrheit den Mut voraussetzt, unter Umständen den Haß derer auf sich zu ziehen, deren Interessen die Offenbarung bestimmter Sachverhalte zuwiderläuft, wird zweifellos schon jedem von uns, der wachen Geistes das gesellschaftliche und politische Leben beobachtet, einsichtig geworden sein.

Das Streben nach Wahrheit und deren uneingeschränkte Kundgabe setzt, im politischen, gesellschaftlichen, kulturellen wie wissenschaftlichen Leben, Freiheit voraus, und Freiheit wiederum, soll sie nicht in Anarchie und Chaos münden, bedarf der Gerechtigkeit und einer an ihr orientierten Ordnung. Diese Dreiheit von Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit, deren Zusammenspiel jede wirklich demokratische Gesellschaft auszeichnet, ist mit den entsprechenden lateinischen Begriffen, Veritas, Iustititia, Libertas, in das Emblem der Freien Universität Berlin eingegangen, an der ich studiert habe, in deren Diensten ich zwanzig Jahre als Literaturwissenschaftler stand und der ich heute noch als freier Mitarbeiter verbunden bin. Dieses wunderbare Emblem der Freien Universität, entworfen zum Tag ihrer Gründung im Dezember 1948 von dem Kunsthistoriker Edwin Redslob, war bekanntlich die Antwort auf die Bolschewisierung der alten Friedrich-Wilhelms-Universität unter dem totalitären Regime der damaligen Sowjetischen Besatzungszone, die zur Gründung der Freien Universität durch die Initiative freiheitsbewußter Studenten geführt hatte.
Die aus diesem Freiheitsimpetus hervorgegangene Universität wurde seinerzeit für alle Welt zu einem Sinnbild der Überzeugungskraft und Vitalität freier wissenschaftlicher

Entfaltung innerhalb des von einer kommunistischen Diktatur eingeschlossenen West- Berlin. Grundlage dessen bildete, abgesehen natürlich von der Präsenz der westlichen Besatzungsmächte, der ungebrochene Wille der West-Berliner Bürger zur Erhaltung ihrer freien Lebenswelt. Sinnbildlich für diesen politischen Willen stehen gerade die beiden heute eine Verwaltungseinheit bildenden Bezirke, die wir in den nächsten fünf Jahren zu vertreten und zu verwalten haben: Schöneberg mit diesem Rathaus als Sitz der West-Berliner Regierung, mit der Freiheitsglocke im Rathausturm und mit dem alten Gebäude des RIAS, einer Rundfunkanstalt, die noch den Anspruch erheben durfte, "eine freie Stimme der freien Welt" zu sein, und schließlich Tempelhof mit seinem Flughafen, über den 1948 die Luftbrücke organisiert wurde, um West-Berlin vor der Eingliederung in den sowjetischen Herrschaftsbereich zu bewahren.

Zwar ist das seinerzeit unsere freie Lebenswelt bedrohende totalitäre Herrschaftssystem gleichzeitig mit dem Fall der Berliner Mauer kläglich zusammengebrochen. Jedoch sehen wir die dadurch für ganz Deutschland errungene Freiheit schon seit geraumer Zeit auf ganz andere Weise aufs neue gefährdet: nämlich durch die sich innerhalb unseres wenigstens formal noch intakten demokratischen Systems entwickelnde, das freie Denken und die freie Rede einengende und regulierende Meinungs- und Gesinnungsdiktatur der sogenannten politischen Korrektheit, mit der Auffassungen und Einstellungen, die früher ganz selbstverständlicher Ausdruck bürgerlichen Lebens und Denkens waren, unter den Verdacht des politischen Extremismus gestellt und bei ihrer öffentlichen Kundgabe nicht selten mit physischer Gewalt bedroht werden. Mit den Ergebnissen der diesjährigen Wahlen in mehreren Bundesländern einschließlich Berlins haben diese freiheits- und demokratiefeindlichen Bestrebungen, eine ideologische Gleichschaltung herbeizuführen, einen deutlichen Dämpfer erfahren und das keineswegs nur in dem Sinne, daß damit eine neue, derartige Bestrebungen energisch bekämpfende Partei in die Parlamente eingezogen ist. Ich wünschte mir sehr, daß damit ein Prozeß politischer Besinnung eingeleitet wird, in dessen Folge an die Stelle demokratie- und pluralismusgefährdender politischer Intoleranz und politischen Hasses die Bereitschaft zum freien, demokratisch fairen Wettbewerb unter den miteinander konkurrierenden Parteien tritt, auch in diesem Hause, so daß wir, um ein in die Freiheitsglocke geprägtes berühmtes Wort Abraham Lincolns zu zitieren, auch in unserer kleinen Welt von Tempelhof-Schöneberg „shall have a new birth of freedom“. 

Montag, 26. September 2016

"Abschiebeverhinderungsindustrie"

In Deutschland leben fast 550.000 abgelehnte Asylbewerber. Drei Viertel von ihnen hielten sich bereits seit mehr als sechs Jahren im Land auf, berichtete die „Bild“-Zeitung am Mittwoch und berief sich dabei auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Abgeschoben wurden von Januar bis Ende Juli lediglich 13.134 Ausländer.
Demnach zählte die Bundesregierung Ende Juni insgesamt 549.209 Asylbewerber, die trotz erfolgter Ablehnung ihres Antrags in Deutschland geblieben sind. Mit Stichtag 31. März waren es nur knapp 220.000 ausreisepflichtige Menschen gewesen, wie im Juni bekannt geworden war.
Dem Bericht zufolge stammt die größte Gruppe mit rund 77.600 Personen aus der Türkei. Es folgen abgelehnte Bewerber aus dem Kosovo (68.549) und aus Serbien (50.817). Knapp die Hälfte der 550.000 Abgelehnten hatte ein unbefristetes Aufenthaltsrecht, ein Drittel verfügte über ein befristetes Aufenthaltsrecht.
Wie die Zeitung weiter berichtete, gab es zudem 168.212 geduldete Ausländer, zu denen auch rund 100.000 abgelehnte Asylbewerber gehören. Darunter waren auch 37.020 Menschen, die wegen fehlender Reisedokumente in Deutschland bleiben dürfen.

Schärfere Regeln für die Abschiebung

Der stellvertretender Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Friedrich (CSU), forderte mit Blick auf diese Zahlen eine dringende Reform der Abschieberegeln in Deutschland. „Wer zulässt, dass abgelehnte Asylbewerber dem Staat derart auf der Nase herumtanzen, zerstört das Vertrauen der Bürger in die Handlungsfähigkeit des Staates“, sagte er der „Bild“. „Die Rechtsvorschriften müssen dringend geändert werden.“
Auch der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, übte scharfe Kritik an der Abschiebepraxis in Deutschland. Es gebe in Deutschland eine „regelrechte Abschiebeverhinderungsindustrie“, sagte er dem Bericht zufolge. Er warf „Anwälten und Organisationen wie Pro Asyl“ vor, die rechtmäßige Rückführung abgelehnter Asylbewerber „systematisch“ zu verhindern. Dies müsse sich „dringend ändern“, 215.000 Ausreisepflichtige müssten nun auch ausreisen.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Mittwoch, 11. November 2015

Amtseid des Bundeskanzers - muss leider nicht täglich geleistet werden...

Der Amtseid lautet:
„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“


Ich frage mich, wann sich Frau Merkel diesen Eid das letzte Mal vor Augen geführt hat. Das derzeit alle Medien und Bürgergespräche beherrschende Flüchtlingschaos zeigt deutlich, dass hier wohl kaum das Wohl des Volkes im Mittelpunkt steht. Nach meiner Ansicht kann nicht davon die Rede sein, daß die Bundeskanzlerin den Nutzen mehrt, Schaden von ihm abwendet und die Gesetze des Bundes wahrt und verteidigt. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Schweden führt wieder Grenzkontrollen ein



Schweden führt wegen der Flüchtlingskrise vorübergehend wieder Grenzkontrollen ein. Die Rekordzahl eintreffender Flüchtlinge stelle eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar, teilte die Regierung am Mittwochabend in Stockholm mit. 
Es handele es sich um eine vorübergehende Maßnahme, sagte Innenminister Anders Ygeman. Sie gelte von Donnerstag 12 Uhr an zunächst für zehn Tage. Betroffen sind die Zug- und Autotrassen auf der Öresundbrücke sowie die Fährverbindungen in Südschweden. 
Flüchtlinge erreichen Schweden unter anderem über Deutschland, von wo es mehrere Fährverbindungen in das skandinavische Land gibt. Die Bundesrepublik hat wegen der Krise Kontrollen an der österreichisch-bayerischen Grenze wiedereingeführt.
Innenminister Anders Ygeman: Offene Grenzen seien eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung"Zur Großansicht
AP/dpa
Innenminister Anders Ygeman: Offene Grenzen seien eine "Gefahr für die öffentliche Ordnung"
Schweden nimmt wie Deutschland zurzeit verhältnismäßig viele Flüchtlinge auf - seit September sind 80.000 Asylbewerber ins Land gereist - und hat ebenfalls ein vergleichsweise liberales Asylrecht. In der vergangenen Woche hatte Migrationsminister Morgan Johansson gesagt, sein Land könne Migranten keine Unterkunft mehr garantieren.
Der Staat ist Mitglied des Schengen-Raums, in dem es normalerweise keine Grenzkontrollen mehr gibt. Das kontrollfreie Reisen hat in Skandinavien aber eine längere Tradition als im Rest Europas: Die nordischen Staaten verständigten sich darauf bereits in den Fünfzigerjahren.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Flüchtlinge?

Das Wort Flüchtlinge ist in den letzten Monaten und Wochen inflationär benutzt worden. Leider macht sich kaum noch jemand die Mühe, zwischen Asylbewerbern und Flüchtlingen zu unterscheiden. Doch wovor flüchten die Flüchtlinge eigentlich? Vor der Armut? Vor der Korruption in ihrem Land? Vor der Arbeit? Vor Kriminalität?
Ich finde es wichtig, daß man wieder anfängt, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen.


Montag, 17. Juni 2013

Kirchensteuer 35 Jahre nach dem Austritt nachzahlen?

Vor einigen Wochen erhielten wir von der Kirchensteuerstelle (das ist eine Abteilung des Finanzamtes Berlin) einen Fragebogen zu unserem Kirchenstatus. Wir sollten angeben, ob wir Mitglied der Kirche oder ob wir ausgetreten wären. Wahrheitsgemäß und arglos gaben wir an, daß wir 1978 ausgetreten wären. Leider haben wir dafür keinen Nachweis. Wir wissen noch, daß wir Mitte des Jahres 1978 ein Standesamt in Berlin-Pankow aufsuchten, um dort beide gleichzeitig unseren Austritt aus der Kirche zu erklären. Wir wissen leider nicht mehr, ob wir dafür eine Bescheinigung erhielten. Falls wir eine erhielten, ist sie wahrscheinlich in den Wirren unser Ausreise verloren gegangen. Wie wir inzwischen aus unseren Internet-Recherchen wissen, haben die DDR-Behörden in den 70er und 80er Jahren nicht oder sehr schlecht mit der Kirche zusammengearbeitet und Unterlagen gar nicht weitergereicht oder nach 10 Jahren einfach vernichtet.

Am 15.5.2013 erhielten wir dann ein weiteres Schreiben von der Kirchensteuerstelle, in dem uns mitgeteilt wurde, daß wir auf Grund unserer Taufe, die uns unsere Eltern jeweils im zarten Alter von 3 Monaten angedeihen ließen, Mitglieder der evangelischen Kirche seien und damit kirchensteuerpflichtig. Man ließe uns jetzt 4 Wochen Zeit, unseren Austritt aus der Kirche schriftlich nachzuweisen, anderenfalls würden wir dem Finanzamt als kirchensteuerpflichtig gemeldet.

Seit diesem Brief hat unsere Lebensqualität dramatisch abgenommen, wir schlafen schlecht, und es gelingt uns kaum noch, über irgend etwas zu lachen. Über uns hängt dieses Damoklesschwert einer drohenden Kirchensteuernachzahlung in Höhe eines dicken 5stelligen €-Betrages.

Wir sind darüber entsetzt und schockiert, dass man 35 Jahre nach unserem Kirchenaustritt und 23 Jahre nach erster Registrierung in einem Westberliner Finanzamt von uns diesen Nachweis verlangt oder Kirchensteuer nachfordert.

Meine Frau und ich hatten im Mai 1989 einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt und am 9.11.1989 die Ausreiseerlaubnis erhalten. Danach erhielten wir einen Laufzettel mit allen Stellen, an denen wir uns abmelden mussten. Da stand die Kirche schon nicht mehr drauf. Wir wurden dann aus der DDR ausgebürgert und aus der Staatsbürgerschaft entlassen. Für uns war dieses Kapitel unseres Lebens damit komplett abgeschlossen.

Bei der Einbürgerung Mitte Dezember 1898 in die BRD wurde ein umfangreiches Formular mit allen persönlichen Daten ausgefüllt. Darauf gab es eine Zeile "Religion",  in der bei uns kein Eintrag erfolgte. Wir gaben wahrheitsgemäß an, ausgetreten zu sein, und das hat auch niemand angezweifelt, und es wurde auch kein Nachweis dafür verlangt.

Wir haben dann Mitte 1990 beide in Westberlin angefangen zu arbeiten. Bei Aufnahme der Tätigkeit wurden wir u.a. nach unserer Religion gefragt, gaben "keine" an, und damit war das erledigt. Niemand hat einen Nachweis verlangt, dass wir aus der Kirche ausgetreten sind.

Nun fragen wir uns, wieso man bei Aufnahme eines Arbeitsrechtsverhältnisses alle möglichen steuermindernden Tatbestände wie zum Beispiel Anzahl der Kinder, Ehestand, usw. schriftlich nachweisen muss, nicht aber den Status der Kirchenzugehörigkeit?

Freitag, 17. September 2010

35 Jahre Bear Family Records

Vollersode, 10.09.2010, 11:57 MusikWoche


Unternehmen Richard Weize denkt nicht ans Aufhören: "Das mache ich, bis ich tot bin"

Sein Label Bear Family ist für Richard Weize Leidenschaft und Lebensaufgabe, Beruf und Berufung zugleich. Im Gespräch mit MusikWoche-Redakteur Frank Medwedeff bilanziert der Echo-Gewinner 35 Jahre Firmengeschichte und verspricht, dass die Musikliebhaber noch lange auf ihn zählen können.


Seltener Moment: Workaholic Richard Weize lehnt sich an einen Baum und schaltet mal abSeltener Moment: Workaholic Richard Weize lehnt sich an einen Baum und schaltet mal ab MusikWoche: Wie kam es zur Gründung von Bear Family?

Richard Weize: Ich hatte damals keine Arbeit und fing einfach mit dem Label an, weil ich nichts anderes zu tun hatte. Und hatte dann halt Glück, dass es geklappt hat.

MW: Was war die erste Veröffentlichung auf Bear Family?

Weize: Das war Carl T. Sprague - ein Cowboysänger, der laut der Sage 1924 mit seiner Originalaufnahme von "When The Work's All Done This Fall" angeblich eine Million Stück verkauft hat, was aber meines Erachtens dummes Zeug ist, denn damals verkaufte man nicht so viele Platten. Da wären die Presswerke komplett überfordert gewesen. Ich habe ihn 1972 in Texas aufgetrieben für mein erstes Label Folk Variety und ihn dann später zu Bear Family geholt.

MW: Hätten Sie sich damals träumen lassen, dass das Label so lange Bestand hat und auch inter national so eine große Reputation erlangt?

Weize: Nein. Man geht ja nicht her und macht so etwas, um Ruhm und Ehre zu erreichen. Man macht das a) um seinen Lebensunterhalt zu verdienen und b) um einfach gute Arbeit zu leisten. Wenn das dann gewürdigt wird, ist das schön; wenn nicht, hat man Pech gehabt.

MW: Wie würden Sie das Credo von Bear Family beschreiben?

Weize: Wenn ich morgen zehn Millionen Euro im Lotto gewinnen würde, würde ich nichts anderes machen als mehr CDs. Meine Kapazität vom Zeitfaktor beträgt sowieso schon 25 Stunden am Tag und acht Tage die Woche. Ich schiebe viele Projekte vor mir her, die ich gern machen würde, aber nicht bewältigen kann. Insofern würde sich gar nichts ändern. Ich mache die Arbeit, weil sie mir Spaß macht, und nicht, um Geld zu verdienen. Geld braucht man natürlich, um davon leben zu können. Das reicht mir dann auch. Ich habe gar nicht genug Zeit, um mehr Geld, wenn ich es hätte, zu verballern.

MW: Wie fing das mit den Boxen an?

Weize: Die einzigen Leute, die vor meiner Zeit Boxen gemacht haben, waren in Amerika Firmen wie Reader's Digest. Dann kam Robert Hertwig von der Teldec Anfang der Siebziger und machte damals zwei Blues-Boxen und dann eine Buddy- Holly-Box, die alle für Furore sorgten. Die Holly-Box verkaufte 20.000 Einheiten. Dann fing in England die Firma Charly an mit mehr oder weniger Komplettboxen von Jerry Lee Lewis oder Carl Perkins. So etwas wollte ich auch machen, wusste aber nicht, was, wie und warum. Da versuchte ich, selbigem Robert Hertwig einzureden, er müsse eine Bill-Haley-Box herausbringen.
Das wollte der aber nicht, weil er keine großen Verkaufschancen sah und auch keine große Lust hatte. Da sagte ich, dann mache ich die jetzt. Das zog sich aber hin und hin. Ich kriegte keine Genehmigung. Dann ging der Vertrag von der amerikanischen MCA von der Teldec weg zur Ariola. Und dann starb Bill Haley. Der Ariola, von der ich zuerst keine große Resonanz erhielt, sagte ich nach seinem Tod: Jetzt muss ich die Antwort haben: ja oder nein. Und dann hat sich das Label das erste Mal bemüht und die Genehmigung aus Amerika geholt. So entstand meine erste Box mit Bill Haley.

-MW: Wie viele Veröffentlichungen gab es bislang auf Bear Family?

Weize: 1205 CD-Produktionen, 372 Vinyl-VÖs, 314 Box-Sets, 21 Bücher und 44 DVDs. Alles in allem 1956 Bear-Family-Veröffentlichungen. Gemessen an einzelnen CDs oder LPs sind das natürlich mehr, weil die Boxen jeweils nur als ein Projekt gewertet werden, obwohl sie ja bis zu 16 CDs enthalten.

MW: Ist die Zahl der Veröffentlichungen pro Jahr konstant?

Weize: Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich arbeite kontinuierlich an 20 bis 30 Projekten zur gleichen Zeit, springe immer hin und her. Wenn ein Ding dann veröffentlicht ist, habe ich das schon vergessen. Dann liegen schon wieder so viele Sachen bei mir auf dem Tisch, um die ich mich kümmern muss, so dass ich das nie so recht verfolge. Ich würde mal sagen, in den letzten zehn Jahren ist das relativ gleich geblieben.

MW: Veröffentlichen Sie noch Vinyl?

Weize: Wenig, dann aber nur 180-Gramm- Vinyl. Da muss man aber schon aufpassen, Meistens sind es ja Hi-Fi-Freaks, die so was kaufen. Ich habe versucht, Rock'n'Roll für sie zu machen und mit der Hüllengestaltung auf die Leute einzugehen. Das sind aber offensichtlich alles Klassik- und Jazz-Freaks, die sich nicht für Rock'n'Roll interessieren. Und die Rock'n'Roll-Freaks haben's dann nicht gekauft, weil sie die Hüllen schlecht fanden.

MW: Können Sie Ihre Lieblingstitel von Bear Family nennen?

Weize: Im Grunde ist es so: Was Ihnen heute gut gefällt, finden Sie übermorgen großen Mist. Drei Tage später spielen Sie es nochmal und sagen: So schlecht ist das doch gar nicht. Was mir als Richtung am besten gefällt, ist Country. Heute morgen hörte ich Aufnahmen von den Dixon Brothers aus den 30er-Jahren ab und dachte: Meine Güte, ist das wieder klasse. Und nächste Woche höre ich dann vielleicht eine Jim Reeves, wo dann jeder lacht und sagt: Was ist denn das für 'ne Grütze - und dann find' ich das wieder klasse. Man kann das im Prinzip auf den Punkt bringen: Nehmen wir Johnny Cash, der mit den "American Recordings" Furore gemacht hat. Da kamen in den letzten Jahren Leute zu mir und sagten: Die neue "American Recordings" ist ja klasse.
Wenn man denen vor 15 oder 20 Jahren gesagt hat, man hört Johnny Cash, zogen sie den Mundwinkel leicht dümmlich nach unten und dachten: Der hat sie nicht alle. Die kommen jetzt mit den "American Recordings" daher, die bis auf eine CD von der Stimme her nicht gut sind, die handwerklich einfach nicht besonders gut sind. Sie haben einen riesigen Charme, die Stücke. Aber wenn jemand behauptet, das sei große Klasse, aber die wirklich guten Aufnahmen von Cash gar nicht kennt - da denke ich, ich höre nicht recht. Und so verschiebt sich das bei vielen Leuten. Cash ist eben auf dieser Eventwelle - so will ich das mal nennen - sehr lange geschwommen. Viele müssen die Aufnahmen einfach haben. Ich betrachte das als Yuppie-Effekt: Da wird etwas gelesen, da werden die Dinger gekauft. Leute hören sie kaum, legen sie wieder weg. Aber sie haben sie.

MW: Auf welche Veröffentlichungen von Bear Family sind Sie besonders stolz?

Weize: Auf die Box "Vorbei - Beyond Recall". Das sind jüdische Aufnahmen in Deutschland aus den 30er-Jahren, die damals von der 1000-jährigen-Reich-Regierung genehmigt worden sind, die aber nur an jüdische Mitbürger verkauft werden durften, nicht an "ordentliche Deutsche". Das ist eine Klasse-Dokumentation, die Rainer Lotz federführend gemacht hat. Und dann natürlich "… Next Stop Vietnam" - eine Dokumentation des Vietnam-Krieges mit 13 CDs - und die wieder aufgelegte "Atomic Platters - Cold War Music", die die Abwürfe der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki thematisiert und dokumentiert, wie das amerikanische Volk auf die atomare Bedrohung reagiert hat.

-MW: Was war der erfolgreichste Bear-Family-Titel?

Weize: Besonders erfolgreich war eine Box von Günter Neumann & seine Insulaner, der Berliner Kabarett-Gruppe. Die hat sich so gut verkauft - damals, als Berlin noch eine Insel war - dass wir das Gefühl hatten, jeder Berliner hat wohl drei von diesen Boxen zuhause. Das war wohl unser Hit zu der Zeit. Ansonsten basieren unsere Ver öffentlichungen auf Verkaufszahlen zwischen 1000 und 3000 - heute eher weniger, weil die Leute eben nicht mehr so viele CDs kaufen.

MW: Gehen Sie mit Kalkulationen einer Mindestverkaufszahl an ein Projekt heran?

Weize: So eine Kalkulation habe ich noch nie gemacht. Wenn ich 50 Veröffentlichungen im Kopf habe, und habe den Eindruck, 25 werden sich ganz gut verkaufen und 25 schlecht - dann mache ich natürlich nicht alle, die sich schlecht verkaufen, und die 25 guten zur gleichen Zeit. Ich mische das, damit es sich ausgleicht. Das Spannende ist aber, Raritäten zu veröffentlichen, die noch nie herausgekommen sind, oder sie in einer Form zu veröffentlichen, die es richtg interessant macht, wo vernünftige Booklets dabei sind. Auch die Einzel-CDs haben ja bei uns Booklets bis zu 80 Seiten.

MW: Waren Sie schon von Anfang an so akribisch mit den Booklets der Boxen?

Weize: Die ersten Boxen von Bill Haley oder Hank Snow hatten nur Beiblätter mit vier Seiten. Auch die frühen Bücher sind nicht so toll. Da habe ich zwar immer am Rahmen des Limits nach oben gearbeitet. Bei den ersten Boxen wäre ich aber nie auf die Idee gekommen, ein dickeres Buch zu gestalten. Im Lauf der Zeit wurden die Bücher immer dicker und immer besser. Allerdings machte ich die Boxen zu der Musik, die mir am besten gefällt, natürlich als erstes. Und die haben dadurch gemessen am heutigen Standard die schlechtesten Bücher. Entscheidend ist, dass ich zumindest nie Kompromisse eingegangen bin. Ich habe immer das Beste gemacht, nur was zu der Zeit richtig oder möglich gewesen ist. Ich habe mir nie gesagt: Das ist schon gut genug für den Kunden. Denn wenn ich auf dem Standard bin, dann habe ich schon verloren.

MW: Wie lange dauert es im Schnitt von der Idee bis zur Veröffentlichung einer Box?

Weize: Im Prinzip mache ich eine normale Country-Einzelkünstler-Box mit links. Ich hänge nur ab von den Schreibern für das Buch und davon, wie sie Zeit haben. Die Bilder beschaffung ist meistens kein Problem. Das ziehe ich durch. Aber eine "Vorbei"-Box, eine Vietnam-Box oder die "Atomic Platters"-Box, das sind Projekte, die fünf, sechs Jahre brauchen. Was man macht, soll ja auch Hand und Fuß haben. Auch wenn ich zum 150. Geburtstag eines Musikers eine Jubiläums-CD oder -Box plane, schaffe ich das in der Regel nicht, weil in letzter Minute noch irgendwelche Sachen hinzukommen, von denen ich vielleicht vorher nichts wusste. Dann schiebe ich das VÖ-Datum lieber hinaus, um eine vernünftige Veröffentlichung zu haben, anstatt unbedingt auf das Datum einzugehen und hinterher zu sagen: Okay, hätte ja noch'n Tick besser sein können, wenn du … Das will ich nicht.

MW: Haben Sie ein eigenes Netz an Rechercheuren, die für Sie in den amerikanischen Archiven stöbern?

Weize: Für die Bücher schon. Aber um die Bänder und den Kram kümmere ich mich immer noch selbst. Wenn man abgeklärter ist, macht es zwar nicht mehr so viel Spaß wie früher. Aber ich traue auch niemandem. Ich traue mir ja selbst nicht, wie soll ich dann noch anderen Leuten trauen?

-MW: Wie oft sind Sie denn noch auf Recherchereise in Amerika unterwegs?

Weize: 2010 war ich noch gar nicht, weil ich Anfang des Jahres krank war. Jetzt fliege ich wahrscheinlich Ende September für 14 Tage rüber. Sonst war ich zwei-, dreimal im Jahr drüben, aber jetzt weniger, weil ich viel Material schon hier habe, das ich im Voraus kopierte. Wenn ich ein Band in der Hand habe und brauche zwei Titel von Müller und da sind jetzt noch zehn Titel von Maier drauf, dann überspiele ich die gleich mit, weil ich mir sage: Die kannst Du irgendwann gebrauchen.

MW: Sie schöpfen aber auch aus Ihrer großen Privatsammlung, oder?

Weize: Das ist klar. Das ist so die Basis. Ich sammle ja schon seit 1956.

MW: Wie ist das Verhältnis von Verkäufen im In- und Ausland?

Weize: Das kann man im Rechner schlecht auseinanderhalten. Auch Händler und Privatkunden vom Umsatz auseinanderzuhalten, ist fast nicht möglich. 1977, zwei Jahre nachdem es Bear Family gab, kam ein Bekannter von mir, der bei der Bremer Landesbank arbeitete. Der verwies mich auf eine Firma in Trier, die hieß Datic. Das war die erste Firma auf der Welt, die einen Schreibautomaten mit einem Computer verbunden hat. Der Bekannte hat mir eingeredet, dass ich das kaufen müsste, was ich getan habe. Gleichzeitig kam mein Partner Hermann Knülle dazu, der damals noch Mathematik studierte. Er hat dann mit einem Programmierer von Datic Wochen gesessen und ein sehr ausgefeiltes Programm entwickelt, mit dem wir heute noch arbeiten. Aber gewisse Sachen waren da einfach nicht drin, weil man damals nicht daran gedacht hatte. Damals hatten wir nur Privatkunden und ein paar Händler, die damals noch nicht relevant waren. Und insofern können wir das heute kaum auseinanderhalten.

MW: Aber eine ungefähre Vorstellung haben Sie vielleicht.

Weize: Ich würde sagen so etwa 50:50. In Deutschland gehen die Verkäufe ein bisschen zurück, weil wir weniger deutsche Veröffentlichungen machen. Es gibt ja auch keine Geschäfte mehr. Ich machte früher viele deutsche Schlagersachen. Im Prinzip ist das zwar nicht meine Musik, aber wenn man sie aufarbeitet, bereitet sie doch sehr viel Freude. Dieses Thema mache ich heute kaum noch. Denn das Wichtige aus diesem Bereich haben wir veröffentlicht, und der Kunde findet die Boxen nicht, weil es keine Läden mehr gibt. Es gibt MediaMarkt und Saturn - und das war's dann.

MW: Verkaufen Sie den Großteil ihrer Produkte über den eigenen Bear-Family-Mailorder?

Weize: Genau. Über den Handel gehen vielleicht 30 Prozent weg von dem, was in Deutschland verkauft wird, ein Großteil davon über Amazon.

MW: Ist der Mailorder wichtig, um das Label zu finanzieren?

Weize: Zur Zeit finanziert das Mailorder das Label wieder so'n bisschen mit, oder es gleicht sich aus. Im Lauf der 35 Jahre schwankte ja der Dollarkurs ganz extrem. Als es noch die Mark gab, kostete eine LP an die 20 Mark und man verdiente vielleicht fünf Mark. Und dann plötzlich sprang der Dollar nach oben, und man verdiente eigentlich gar nichts mehr, weil der Dollar so teuer war und gleichzeitig haben sich dann noch die Preise erhöht. Da ist man hergegangen und hat im Mailorder die vielen Artikel manuell hochgesetzt im Preis. Und kaum hatte man sich die Arbeit gemacht, fiel der Dollar wieder. Dann musste man wieder zurückgehen. Das heißt: Wir haben selber zum Plus-minus- Null manchmal was dazugelegt und das dann vom Label finanziert. Heute ist das teilweise umgedreht. Eins finanziert immer das Andere.

MW: Wie sind Ihre Erfahrungen in Zusammenarbeit mit anderen Plattenfirmen und Musikverlagen in Sachen Lizenzierung? Gibt es Unternehmen, die gar nicht mit Ihnen kooperieren wollen?

Weize: Das gibt es an sich nicht. Ich habe großes Glück gehabt, dass die Leute mir eigentlich immer wohlgesonnen gewesen sind. Es wird natürlich immer enger, weil die Abteilungen bei den Firmen verkleinert werden, und die Leute sind jünger und haben das Fachwissen auch nicht. Da muss man sich dann erst wieder einarbeiten. Aber im Prinzip läuft das ganz gut.

MW: Wie viele Mitarbeiter beschäftigt Bear Family derzeit?

Weize: Zwischen 25 und 30, wobei die meisten Mitarbeiter im Mailorder-Bereich tätig sind.

-MW: Die Leute, die Ihre Texte schreiben, sind aber freie Mitarbeiter?

Weize: Das sind freie Leute, denen das Spaß macht. Die könnte ich überhaupt nicht nach Stunden bezahlen. Man kann sich vom Zeitfaktor und vom Aufwand gar nicht vorstellen, was da im Hintergrund abläuft, um Sachen zu veröffentlichen oder rauszukriegen. Nur mal ein Beispiel: Irgendwann fiel mir ein Künstler namens Lee Emerson wieder ein. Der hat drei Aufnahmen mit Marty Robbins gemacht. Ich brachte eine Marty-Robbins-Box vor 20 Jahren heraus. Dabei fand ich keine Bilder und keine Biographie von Emerson, es waren nur ein paar Zeitungsausschnitte abgebildet, das war alles.
Jetzt erinnerte ich mich und dachte: Mensch, das könnte man ja mal veröffentlichen, weil der Mann sehr viele gute Lieder geschrieben hat. Nach wie vor gibt es keine Bio, auch nicht bei der Country Music Foundation in Nashville. Dann ging ich wegen etwas ganz anderem ein paar alte Country- Magazine durch. Dabei fand ich ein Heft von 1956, in dem eine kurze Bio von Emerson drin war. Die habe ich gescannt und die Kopie meinem Schreiber in Nashville geschickt. Aufgrund dieses Artikels fand der dann den Sohn Emersons, ist 300 Kilometer hingefahren und hat ihn interviewt, noch dies und jenes rausgefunden, wovon wir nichts wussten, auch über weitere Platten, von denen wir nichts ahnten. Wenn man das zusammenrechnet - die Spritkosten, die Telefonkosten, die Recherchekosten - und dann verkauft man 1500 CDs, dann legt man das Geld im Grunde dazu. Aber es macht natürlich unheimlich viel Spaß, wenn man etwas entdeckt, das vorher keiner wusste.

MW: Was zeichnet die Jubiläums-Box "35 Years!!! Bear Family Records" Ihrer Meinung nach aus?

Weize: Sie umfasst drei CDs. Darauf sind nur Lieder, die die Künstler für unser Jubiläum aufgenommen haben - von Bela B bis hin zu George Hamilton IV, von schwedischen, amerikanischen, englischen bis französischen und kana - dischen Gruppen und Künstlern. Aus Deutschland sind Peter Lohmeyer, Götz Alsmann, Roland Heinrich und Ulrich Tukur dabei.

MW: Und dafür haben Sie die Künstler selbst angesprochen, Songs mit Bären-Thematik aufzunehmen?

Weize: Das haben wir gemacht. Und die Künstler haben dafür kein Geld gekriegt. Die haben das alles selbst finanziert.

MW: Wie sehr hat Sie der Echo gefreut?

Weize: Das ist natürlich eine Auszeichnung. Ich arbeite ja neben der Industrie her. Und wenn die Industrie das zu würdigen weiß, was ich mache, ist das sicherlich mehr, als man erwarten kann. Die sind ja zwangsläufig, weil sie irgendwelchen Shareholders verantwortlich sind, auf einem ganz anderen Trip - nicht auf dem Trip, auf dem ich bin, das können sie sich ja gar nicht erlauben.

MW: Ist es für Sie denkbar, die Leitung von Bear Family irgendwann mal in andere Hände zu übergeben?

Weize: Mit Sicherheit nicht. Das mache ich, bis ich tot bin. Wahrscheinlich falle ich vom Schreibtisch in eine Kiste oder von der Leiter in einem amerikanischen Archiv. Das suche ich mir dann noch passend aus. Da ich aber erst 65 bin und 110 werde, habe ich ja noch 45 Jahre.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Blackmore verzaubert die Zitadelle

Seit einiger Zeit lässt es der einstige Gitarrengott allerdings ruhiger angehen. Für Blackmore's Night hat er sogar die geliebte Klampfe gegen eine Laute eingetauscht und umrahmt damit die bezaubernde Stimme seiner Frau Candice Night. Von ihren verspielten Renaissance-Klängen angelockt, pilgerten Sonntag Abend zahlreiche Liebhaber altertümlicher Musik in die Spandauer Zitadelle, um sich an einem lauen Sommerabend von den Barden verzaubern zu lassen.
Mit ihren märchenhaften Melodien und dem mittelalterlichen Bühnenoutfit ließen sie die Burgbesucher von längst vergangenen Zeiten träumen und hauchten der alten Festung jede Menge neues Leben ein.

Montag, 13. April 2009

Lichterfelder Festsäle

„Ruhe Aufnahme“ gebietet die Leuchtschrift über der Eisentür des hell verputzten Ziegelbaus. Die Mahnung ist eigentlich unnötig. Denn nur Eingeweihte wissen, dass auf dem Gelände hinter der Finckensteinallee 36 in Lichterfelde das größte unabhängige Tonstudio Deutschlands für Klassik, Pop und Filmmusik liegt. Künstler wie Dirigent Kent Nagano schätzen das ruhige Gründerzeitviertel.Das sporthallengroße „teldex“-Studio führt eine über fünfzigjährige Tradition in der Finckensteinallee fort. Die begann 1950 mit der „Telefunken“, die als Untermieterin in die Gebäude einzog, die 1890 als „Lichterfelder Festsäle“ gebaut worden waren. Festspiel- und Aufnahmebetrieb liefen bis 1954 parallel. Zu dieser Zeit produzierte Telefunken bereits gemeinsam mit der Firma Decca unter dem Label „Teldec“ Musik im Lichterfelder Idyll. In den ersten Jahrzehnten entstand meist Populäres: Hildegard Knef trat hier ans Mikrofon, Caterina Valente, Vico Torriani oder Manuela. In den 70er und 80er Jahren kamen dann Udo Lindenberg und Peter Maffay. Reinhard Mey, der immer noch kommt, nahm bei Teldec seine erste Platte auf. Als das Studio im Jahr 1989 vom Warner-Konzern übernommen wurde, verschoben sich die Inhalte erneut. Nun entstanden hier viele Klassikaufnahmen. Als Warner dem Trend folgte und den eigenen Studiobetrieb einstellte, drohte der Audioproduktion Ende 2001 das Aus.Dass aus Teldec noch teldex wurde, ist der Erfolg der Tonmeister Martin Sauer, Tobias Lehmann und Friedemann Engelbrecht. Die drei übernahmen Anfang 2002 alle Räume, die komplette Technik und sicherten auch einem Teil der Mitarbeiter die Existenz. Da die bewegte Vergangenheit allein keinen Betrieb erhält, investierten die Musikmacher mehr als eine Million Euro in den Um- und Ausbau der Aufnahme- und Regieräume. Das zahlte sich aus. Daniel Barenboim kam mehrfach, um Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ einzuspielen. Der Steinway-Flügel und die einzigartige Akustik des Aufnahmesaals schaffen ideale Voraussetzungen für hohe musikalische Qualität. Die zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker proben experimentell „Music from the Movies“. Wenn sie „Das Lied vom Tod“ ganz unklassisch mit schrägen und überdehnten Tönen spielen, bekommen auch die verwöhnten Tontechniker hinter der Scheibe zum Kontrollraum noch eine Gänsehaut.„Wir trennen nicht mehr zwischen Pop und Klassik. Wir wollen unsere Räume mit Leben und Musik füllen“, sagt Geschäftsführer Friedemann Engelbrecht. Beides gelang im Sommer mit dem Besuch von Britney Spears, die in Lichterfelde Teile ihrer neuen CD einspielte. Sonst arrangieren Popmusiker von Rosenstolz, über die Pet Shop Boys bis Sarah Connor hier ihre Songs. Der 46-jährige Engelbrecht pegelt den Sound ein und versteht sich als Mittler zwischen Kunst und Technik: „Wir Tonmeister sind mehr als reine Techniker, als Künstler sehen wir uns aber nicht.“Eine glatte Untertreibung. Wenn Engelbrecht und seine Kollegen im Regie-Raum mischen, was sie nebenan oder auch in den Konzertsälen der Welt zwischen Amsterdam, Wien, London und New York mitschneiden, dann ist das Kunst. Sie sitzen zwischen unzähligen Reglern, Anzeigen und Computern und verflogen mit höchster Konzentration die Musik. Dann das Urteil: „Die Geige im zweiten Satz ist ein bisschen fett, und die Bratsche in den ersten Takten zu lahm.“ Solche Patzer werden durch perfekte Einsätze ersetzt – aus anderen Einspielungen. Für solche Tonkunst wurde das Team mittlerweile mit sechs Grammy Awards der US-Musikindustrie ausgezeichnet. Außerdem sind Dirigenten von Simon Rattle bis Nikolaus Harnoncourt des Lobes voll. Die Wiener Philharmoniker vertrauen den Ton-Meistern seit Jahren ihre Neujahrskonzerte an, dem Hit auf dem Klassikmarkt. Andere Musiker schätzen zudem die Ausrüstung des Studios. Jazztrompeter Till Brönner kommt beispielsweise wegen eines Mikrofons. Friedemann Engelbrecht deutet auf einen rund 30 Zentimeter hohe Metallzylinder: „Das sind unsere ,Neumann U47 Röhrenmikrofone‘.“ Sie sind 50 Jahre alt und stammen aus der Telefunken-Zeit. Das Alte hatte eben auch sein Gutes.

Samstag, 16. August 2008

Clapton in der Waldbühne

Konzert in der Waldbühne

Musik pur – Glückstrunkene Fans feiern Eric Clapton

Freitag, 15. August 2008 23:46 - Von Peter E. Müller

Eric Clapton und Blues sind eine Einheit. Ebenso wie Eric Clapton und seine Gitarre es sind, die er Freitagabend in der Waldbühne singen, säuseln und jauchzen ließ. Das Publikum feierte ihn in strömendem Regen und fühlte sich dabei mal wie in einem Bluesclub, mal wie am Lagerfeuer, immer aber einfach glücklich.

Wer so den Blues hat, der braucht nicht auf allzu viel Sonne zu hoffen. Die Waldbühne jedenfalls ist ungemütlich regenverhangen, als Eric Clapton, die britische Gitarrenlegende, sein Berlinkonzert gruß- und schnörkellos mit „Tell The Truth“ beginnt, einem treibenden Stück Bluesrock vom 1970er-Album „Layla And Other Assorted Love Songs“, das er damals unter dem Namen Derek & The Dominoes eingespielt hat. Von Anfang an ist klar: heute Abend regiert die pure Musik. Videowände, exzellentes Licht und ein bisschen Nebel prägen das Bühnenbild. Und ein unglaublich klarer, selten so gestochen exquisit gehörter Sound trägt die Musik bis in die letzte Reihe. Doch es gibt keinerlei Showmätzchen, keine gestelzten Posen, keine Augenwischerei.

Sympathisch eingestimmt auf den Abend hatte übrigens Jakob Dylan im Vorprogramm, Bob Dylans Sohn, der nun nach seiner Zeit mit der Rockband The Wallflowers in die Folksänger-Fußstapfen seines Vaters tritt und mit seiner Band einige Folk-angehauchte Stücke wie „Evil Is Alive And Well“ oder „Everybody Pays As They Go“ seiner neuen CD „Seeing Things“ präsentierte. Er wurde mit freundlichem Applaus aufgenommen.
Mit einer erstklassigen Band im Rücken, zu der langjährige Weggefährten wie Slide-Gitarrist Doyle Bramhall II (der sich mit Clapton auch ab und zu die Gesangsparts teilt) oder Keyboarder Chris Stainton gehören, kurvt Eric Clapton stilsicher über den staubigen Blues-Highway, der seine ganze Karriere durchzieht, singt wehmütig angeraut ins Mikrofon und schmachtet langfingrig sanft über die Saiten seiner breithalsigen Fender-Gitarre, die er singen, säuseln und jauchzen lässt.
Eric Clapton, der inzwischen 63-jährige Brite, hat die Rockgeschichte immer wieder mit seinem erdig-eleganten Klang veredelt. 45 Jahre ist es her, als er bei den britischen Yardbirds einstieg, zwei Jahre später landete er mit ihnen und „For Your Love“ den ersten Hit. Er ging durch die Schule von John Mayall’s Bluesbreakers, gründete schließlich mit Schlagzeuger Ginger Baker und Bassist Jack Bruce das genialische Trio Cream, die erste sogenannte Super-Group des Rock, bevor er sich an die Solokarriere machte. Das Graffiti an einer Londoner Hauswand jener Jahre ist legendär: „Clapton is God“ war dort zu lesen. Und für seine Fans war er es tatsächlich. Immer wieder nahm er Abzweigungen in rockige, poppige, reggaelastige Regionen, doch immer wieder kehrte er zu seiner einen großen Passion zurück, der Wurzel aller populärer Musik, dem Blues.
Es wird ein Heroe der Rockgeschichte gefeiert
Schon früh im Konzert schleppt Clapton sich lässig treibend und emotionsgeladen durch Willie Dixons Klassiker „Hoochie Coochie Man“, und genau da setzt auch mächtig der Regen ein. Die rund 18 000 Besucher sind dennoch in bester Laune, tauchen das Amphitheaterrund in quietschbunte Regenjackenfarben; gelb, rot, blau. Das mit Clapton über die Jahrzehnte gereifte Publikum hängt ihm sozusagen an den Fingern, staunt über die so leichtgängig wirkenden, wie beiläufig eingestreuten Soli voll virtuoser Grandezza. Wobei freilich den Mitmusikern immer wieder genügend Raum für eigene solistische Extratouren eingeräumt wird. Hier ist eine eingespielt Band am Werk, die einem das Gefühl gibt, in einem kleinen schäbigen Bluesclub zu sein, in dem es nach Nikotin und feuchtem Holz riecht, um zwischen Burger und Booze einen großen, aufregenden Abend zu verleben.
Zur Mitte des Konzert werden für Songs wie „Rock Me, Baby“ oder das wunderbar sehnsüchtige „Nobody Knows You When You’re Down And Out“ auch mal die akustischen Gitarren hervorgeholt. Man spielt im Sitzen, als wären wir inzwischen irgendwo weit draußen an einem Lagerfeuer. Nur der Regen prasselt ohn’ Unterlass weiter auf Plastjacken und Regenschirme. Das rau rollende „Motherless Children“ bringt die Musiker wieder auf die Beine und Bewegung ins Publikum, das nicht mit Zwischenapplaus für besonders gelungene Gitarrenarbeit geizt. Klar, dass auch eine Popballade wie „Wonderful Tonight“ in einer Show mit diesem vielseitigen Musiker nicht fehlen darf. Das witterungsresistente Publikum jubelt und feiert ein Idol, einen Mann, der Höhen und Tiefen des Starruhms am eigenen Leibe erfahren hat, der Drogen- und Alkoholsucht überwunden und durch den tragischen Unfalltod seines Sohnes großes Leid erfahren hat.
Klar wird an diesem Abend, dass Eric Clapton am besten ist, wenn er sich in Melancholie und Trauer, Selbstmitleid und Wut des Blues verliert, wenn er Lust und Leid eines ganzen Lebens in einer einzigen Gitarrenlinie komprimiert. In der Waldbühne wird ein Heroe der Rockgeschichte gefeiert. Der Klassiker „Layla“, der in ein finales „Cocaine“ übergeht, steht am Ende dieses großartigen Abends. „Crossroads“, den Cream-Hit, gibt es als Zugabe. Der Applaus ist laut und glückstrunken. Und das Wetter? Ach, das ist längst vergessen.

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MUSIK: Der letzte Blues-Bruder
Eric Clapton in der Berliner Waldbühne

BERLIN - Clapton bleibt Gott. Auch wenn er sich am Freitagabend vor triefend-glücklichem Waldbühnen-Publikum ganz menschlich verhaut. Ausgerechnet beim Grundthema von „Layla“ ein Hänger! Egal, der Mann muss es keinem mehr beweisen, drei Mal ist er in der Rock’n’Roll-Hall of Fame verewigt, die schwarzen Götter, die ihn riefen, sind längst im Gitarren-Olymp, und Alexis Korner, der einzige weiße Bruder, der den Blues wie er verstand, fehlt seit 25 Jahren.
Mit Jeans, Sweatshirt und der unvermeidlichen Fender Strat treibt der 63-Jährige seine grandiose Band lässig durch die Musikgeschichte. „Tell the Truth“, „Key to the Highway“, „Motherless Children“, Robert Johnsons „Travelling Riverside Blues“ und Curtis Mayfields „Here but I’m Gone“.
Wer nicht Claptomane genug ist, sich an der Blues-Dominanz des Abends zu berauschen, wird immer wieder von einem der guten alten Hits abgeholt. Natürlich kommt da fast zuletzt noch „Cocaine“ ins Blut. Da hat man gerade wieder an der Passage in der Autobiographie gezweifelt, wonach der Eric sein „Wonderful Tonight“ in zehn Frustminuten zusammengeklimpert haben will – weil Nell, die er seinem Kumpel Harrison ausgespannt hatte, am Partyabend vor dem Spiegel ewig nicht zu Potte kam. Für George covert er dessen „Isn’t it a Pity“. Schade, dass es so eine altbackene Mahagoni-Fassung wird, zumal hier – aber nur hier – die bestens konditionierten Hintergrundvokalistinnen mit einfältigem Huhuuuhu nerven.
Der Chef lässt den Anderen viel Raum. Gelassen erträgt er das brillante Melodiespiel seines zweiten Gitarristen oder liefert ihm bottleneckische Duelle, ohne den Sieg zu suchen. Seit drei Alben und noch mehr Jahren springt ihm Doyle Bramhall II zur Saite. Der Meister zieht sich nach brachialem Anriss auch bei „Little Queen of Spades“ zurück, damit Chris Staintons Klavier die Dramaturgie übernehmen kann.
Überhaupt sind Claptons Soli noch kürzer und – wenn das überhaupt geht – präziser geworden. Große Videowände zeigen die Fingerläufe, und wieder verzweifelt der Laie an der Frage, wie das optisch Unspektakuläre solche Melodien zeugen und so kristallklar ins Herz stoßen kann.
Tapfer lässt sich das Publikum im gut gefüllten Kessel der Waldbühne vom Dauerniesel aufweichen. Nur ein Mal versagt es: Im obligatorischen Akustikblock reißt Clapton die Saite, e oder h, eine von diesen dünnen Light Strings, die er auf dem höchsten Bund ziehen kann, bis der Ohrenarzt kommt. Eingeweihte wissen seit 40 Jahren, dass sie die Reparaturzeit durch langsames Klatschen zu überbrücken haben. Dieser Kulthandlung verdankt er seinen Namen: Slowhand. (Von Volkmar Klein)

Sonntag, 11. Mai 2008

David Knopfler in Thyrow "Emotions Tour 2008"


Am 27.2.2008 besuchten wir ( Bodo, Jason + Sonja, Sonjas Schwester + Mann) das Konzert in der Thyrower Kulturscheune. Tolle Stimmung, guter Pegel, tolle Musik.


Sonntag, 4. Mai 2008

London im April...

Vom 26.April bis zum 1.Mai 2008 statteten wir London unseren ersten Besuch ab. Ab Schönefeld mit EasyJet bis Luton, von da mit easybus bis Victoria Station. Nach Kauf einer OYSTER-Wochenkarte und Brunis erstem Vanilla Latte bei STARBUCKS mit Underground und DLR zum EXPRESS Holiday Inn Limehouse.




















Samstag: Anreise, Hotel, Rundgang um Limehouse Basin
Sonntag: London Bridge, Tower Bridge, Tower
Montag: Oxford Street, Marble Arch, Hyde Park, St.James's Park, Big Ben, Houses Of Parliament, Diner beim Italiener anläßlich des 30. Hochzeitstages
Dienstag: St. Paul's Cathedral (http://www.stpauls.co.uk/)
Mittwoch: Westminster Abbey (http://www.westminster-abbey.org/), Buckingham Palace, Royal Albert Hall
Donnerstag: Victoria Station, Westminster Cathedral, Heimflug.

Sonntag, 20. April 2008

Fahrt nach Hamburg zu Brunis Geburtstag














Am 17.4.2008 besuchten wir (Alexander, Savina + Matt, Bruni + Gerold) die schöne Hansestadt. Trotz miesem Wetter genossen wir den Ausflug und flanierten über die Einkaufsmeile. Nur Matt durfte sich die Hochzeitskleider nicht anschauen...

Abends dann gemütliches Essen in der "Überseebrücke" mit tollem Rundblick über den Hafen. Danach Überfahrt zum "König der Löwen" bzw. zum Konzert von James Taylor.



Hier die Beschreibung des Konzerts, leider nicht von mir, sondern von einem anderen Besucher:

James Taylor in Hamburg, Laeizhalle (17.04.2008)

Für die, die es nicht wissen: Es handelte sich hierbei um seine "One Man Band" Konzertreihe, d.h. er hatte als "Band" nur den Pianisten Larry Goldings dabei.

Die Zusammenfassung vorneweg: Das Konzert war supergenial!!!

Da ich die CD+DVD dieses Konzerts habe, kannte ich die Show bereits vorher. Nachteil: Weniger Überraschungen. Vorteil: Ich konnte mich auf kleine Details konzentrieren und bekam auch die "Variationen" mit.

Die Setliste entsprach bis auf eine Abweichung exakt der auf der CD/DVD. Ich hatte ein Fernglas dabei und konnte James Taylors Setliste lesen, die er vor sich auf dem Boden liegen hatte, daher brauchte ich nicht während des Konzertes zu vergleichen, sondern nur einmal am Anfang.

Hier die Setlist:

01 - Something In The Way She Moves
02 - Never Die Young
03 - The Frozen Man
04 - Mean Old Man
05 - School Song (Instrumental, Larry Goldings)
06 - Country Road
07 - Slap Leather (mit Drum Box)
08 - My Traveling Star (mit Chor vom Video)
09 - You've Got A Friend
10 - Steamroller Blues
- PAUSE -
11 - Secret O' Life
12 - Line 'Em Up
13 - Chili Dog (mit Drum Box)
14 - Shower The People (mit Chor vom Video)
15 - Sweet Baby James
16 - Carolina In My Mind
- ZUGABEN -
17 - Fire And Rain
18 - Copperline
19 - Mexico (mit der Band vom Video)
20 - You Can Close Your Eyes

Zwischen den Songs plauderte er und erzählte etwas zu den Songs, wie sie entstanden sind, was sie bedeuten und dass er bei manchen Songs heute noch keine Ahnung hat, was sie bedeuten ...

Manchmal war die Einleitung länger als der Song ("The song is not as long as the introduction."), dazu zeigte er viele Bilder, u.a. von Carole King, Joni Mitchell, seinen Eltern und natürlich ihm selbst ... "These folks on the picture look like people who don't have access to mirrows. They have to ask one another ... 'How do I look?' 'Very good, and me?' 'Very good too, ok, let's go!'"

JT erzählte, dass Larry und er bei der Planung des Konzertes überein gekommen waren, keine künstlichen Sound-Effekte zu verwenden, und natürlich keinen Drum-Computer, auf gar keinen Fall. Das hätten sie dann aber nicht lange durchgehalten, sie hätten sich entschieden, doch eine Drum Box zu verwenden ... und in diesem Moment wurde eine riesige mechanische Drum Machine auf die Bühne gerollt, etwa so groß wie ein Auto, mit Elektromotor und einer großen Walze, die über Nocken die einzelnen Instrumente steuert, ähnlich wie eine Drehorgel. Damit sang der dann zunächst Slap Leather (über ein Megaphon), später (mit einer anderen Walze) Chili Dog.

My Traveling Star und Shower The People sang JT mit Mitgliedern des Tanglewood Festival Chorus als Background vom Video.

In diesem Chor singt auch JTs Frau Kim mit, und sie war natürlich auch bei dieser Aufnahme dabei.

Eine der Zugaben, "Mexico", sang JT mit der gesamten Band vom Video, auf seiner Setlist stand "Karaoke" neben dem Titel.

JTs Stimme war warm und voll, keine Spur von nachlassender Kraft, absolut treffsicher (ich habe unglücklicherweise ein sehr feines Gehör für schiefe Töne).

Sein Gitarrenspiel war virtuos wie immer. Ich hatte das erste Mal die Gelegenheit, ihn in Ruhe beobachten zu können (durch's Fernglas), und mir ist aufgefallen, dass er mit der linken Hand gar nicht so viel Sensationelles macht, er greift in erster Linie Akkorde, wenig Läufe, ein bisschen Hammering On und Pulling Off, das sieht viel weniger spektakulär aus, als es sich anhört. Das eigentliche Geschehen und seinen einzigartigen Sound produziert er in erster Linie mit der rechten Hand, mit seiner Picking Technik, DA "spielt die Musik", und trotzdem sieht es absolut mühelos und wie nebenbei aus.

Man hat bei JT immer das Gefühl, dass er jedes Konzert genießt, dass er das wirklich gerne macht, und nicht nur das Programm herunterspielt damit er fertig wird. Er hat einen Heidenspaß an seinen (selbst-)ironischen Bemerkungen, Anspielungen, Scherzen und Witzen und wie das Publikum darauf anspringt.

Larry Goldings am Piano hielt sich dezent im Hintergrund und "vergoldete" die Songs unauffällig mit seinen Harmonien. Er spielte auf einem Yamaha-Flügel, einem Korg CX-3 und einer Art Harmonika, deren Blasebalg er mit einem Fußpedal ähnlich einer Bass Drum Fussmaschine (wenn es nicht sogar eine war) über einen Drahtzug betätigte.

Die Bühne war wohnzimmerähnlich eingerichtet, mit gemütlichen Lampen darüber, einem Paravant hinten. Der Laptop, auf dem JT die Bilder und Filme ablaufen ließ, stand auf einem Holztisch mit Schublade, aus der er zwischendurch Dinge herausholte (eine CD von Larry Goldings), und kleine Geschenk, die er aus dem Publikum erhielt, wanderten dort hinein. Auf der rechten Seite hing die Leinwand, auf der die Bilder und Filmausschnitte gezeigt wurden.

Nach der Pause und zwischen den Zugaben nahm er sich viel Zeit, am Bühnenrand Hände zu schütteln und Autogramme zu geben.

Noch ein Wort zum Sound: Spitze! Ich habe selten einen so guten Sound in einem Konzert gehört. Nun ist das vielleicht bei einer Stimme und zwei Instrumenten (Gitarre, Piano) nicht sooo schwierig, aber es war schon auffallend, wie sauber, kraftvoll und klar seine Stimme und die Instrumente rüberkamen.

Ich kann nur jedem James Taylor Fan zum Kauf der CD+DVD "One Man Band" raten. Die DVD ersetzt zwar nicht, wirklich dabei gewesen zu sein, aber es kommt schon eine Menge der Atmosphäre des Konzertes rüber.

Axel Hacke bei den Wühlmäusen


Am 12.4.2008 besuchten wir gemeinsam mit Familie Zywietz und Familie Effenberger diese wunderbare Lesung. Alle haben sich köstlich amüsiert, und sogar unser "Amerikaner" Matt hat die Pointen verstanden. Anschließend gemütliches Abendessen bei "La Torre III".




Axel Hacke


Wumbaba, Wortstoffhof und andere Texte



Axel Hacke wurde 1956 in Braunschweig geboren, besuchte die Deutsche Journalistenschule und studierte Politische Wissenschaften in Göttingen und München. Von 1981 bis 2000 arbeitete er anfangs als Sportredakteur, später als politischer Kommentator, Seite-Drei-Reporter und Streiflicht-Autor in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung.



Für das SZ-Magazin schreibt er seit dessen Gründung 1990, angefangen mit dem berühmten "Kleinen Erziehungsberater" über zahlreiche Reportagen und Porträts bis zu "Das Beste aus meinem Leben", das 1997 das erste Mal erschien und seitdem in keiner Ausgabe gefehlt hat. Die Texte sind in bisher vier Büchern zusammengefasst erschienen.
Hacke lebt heute als Schriftsteller und Journalist in München und dem Chiemgau. Seine Bücher, zu denen mehrere Bestseller (Der weiße Neger Wumbaba, Der kleine Erziehungsberater, Der kleine König Dezember) gehören, wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.



Axel Hackes journalistische Arbeit wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter der Joseph-Roth-Preis (1987), der Theodor-Wolff-Preis (1990) und zwei Egon-Erwin-Kisch-Preise (1987 und 1990).


Sonntag, 16. Dezember 2007

10 Jahre Stars in Concert



Am 15.12.2007 besuchten wir in Familie (Savina, Bruni, Alexander, Matt und Gerold) das Jubiläumskonzert "10 Jahre Stars in Konzert". Tolle Stimmung, gute Doubles, fantastische Begleitband und ein zusätzliches Weihnachts-Special. Die Stars waren Buddy Holly, Sting, Elvis Presley, The Four Tops, Tom Jones, Paul Mc Cartney, Rod Stewart.

Sonntag, 18. November 2007

mit PIONEER ins NO-Theater




Am 12.11.2007 hatten wir durch PIONEER die Gelegenheit, das berühmte NO- und KYOGEN-Theater aus Japan im Großen Sendesaal des RBB zu bewundern.

Sonntag, 16. September 2007

HiFi-Club

Am 12.9.2007 haben wir uns wieder einmal getroffen, um gemeinsam neue CDs zu hören. Hier die Liste der gespielten CDs bzw. DVDs: